Rettet den Rettich!

Beim Gemüseanbau sind oft weniger Pflanzenarten im Spiel als die bunte Vielfalt im Beet und auf dem Teller vermuten lassen. Nicht wenige Sorten sind unterschiedliche Erscheinungsformen ein und der selben Pflanze.
So gehören zum Beispiel Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl und Wirsing alle zur Spezies Brassica oleracea. Während die Sorten im “Gemüsestadium” leicht zu unterscheiden sind, ähneln sich Blüten und Blattformen geschossener – also ausgewachsener – Pflanzen oft enorm.
Diese Vielseitigkeit einzelner Pflanzenarten ist spannend – kann aber auch zu Komplikationen führen.

In der Keimzelle hat jüngst die Art Raphanus sativus für Verwirrung gesorgt.
Von dieser werden an der Ölmühle traditionell verschiedene Sorten angebaut, nicht nur für den Teller, sondern auch für die Gewinnung von Saatgut. Hier kommt die genannte Ähnlichkeit in’s Spiel: der Daikon ist letztes Jahr gleich geschossen, so dass lediglich die Samenkapseln geerntet werden konnten. Radieschen hatten wir reichlich, und auch von diesen haben wir Samen geerntet. Die Samenkapseln beider Sorten sehen sich mehr als nur etwas ähnlich: auf den ersten Blick – und für die meisten von uns wohl auch auf den zweiten – lassen sie sich nicht unterscheiden.
Irgendwie muss im Saatgutarchiv dann was durcheinander geraten sein, jedenfalls wurden dieses Frühjahr vermeintliche Radieschensamen in Bäckerkisten ausgebracht, aus denen dann veritable Rettiche keimten. Nun ist in so einer Kiste für ein Radieschen reichlich Erde und Platz zum Wachsen vorhanden, für den Zwilling Rettich hingegen wird es äußerst eng – so eine Daikon-Wurzel kann im Extremfall einen Meter lang werden.

Damit die Wurzeln noch eine Chance haben, war eine Rettichrettungsaktion angesagt: die meisten Pflanzen wurden aus den Bäckerkisten in’s Hochbeet umgesetzt, wo ihnen genug Erde für eine schöne Wurzel zur Verfügung steht.
Natürlich ist das mitten in der Wachstumsphase alles andere als ideal. Dennoch gibt es erste Erfolge in Form ordentlicher Knollen zu beobachten. Die in den Kisten verbliebenen Pflanzen hingegen blühen inzwischen, ohne eine Rettichwurzel ausgebildet zu haben, so dass vielleicht wenigstens Samen für das nächste Jahr geerntet werden können. Diesmal werden wir sie aber sicher peinlich genau beschriften!

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